SIXT und der Fall Gustl Mollath

Screenshot der Internetseite der Sixt AG (www.sixt.de) Screenshot der Internetseite der Sixt AG (www.sixt.de)
Von am 14.08.2013

Kaum ein anderes Unternehmen ist für eine besonders provokante und polarisierende Werbung bekannt, wie der Autovermieter SIXT. Aktuelle Sachverhalte werden in satirischer Form aufgegriffen und kommuniziert. Nach Unternehmensrichtlinien sollen Betroffene jedoch nicht in ihren persönlichen Gefühlen verletzt oder herabgewürdigt werden. Mit der betroffenen SIXT-Werbeanzeige, welches das Portrait von Gustl Mollath trägt, sei man seinen eigenen Grundsätzen nicht gerecht geworden. Die Kampagne wurde eingestellt.

Die unfreiwillige Hauptfigur dieser Kampagne, Gustl Mollath, wurde 2006 wegen Gemeingefährlichkeit zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen. Vorangegangen waren Vorwürfe der Misshandlung seiner Ehefrau sowie dem Zerstechen von Autoreifen. Mollath hingegen sieht sich als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Ehefrau und der Justiz, weil er zuvor auf Schwarzgeldgeschäfte hingewiesen habe. Zumindest hat das Oberlandesgericht Nürnberg nun entschieden, dass der Fall neu aufgerollt wird und Mollath Anfang August aus der Psychiatrie entlassen wurde. SIXT sieht sich mit mehreren Vorwürfen konfrontiert. Der Werberat beschäftigt sich mit der Frage, ob es sich unter Umständen um irreführende Werbung handelt. Das verwendete Zitat stamme sicherlich nicht von Gustl Mollath. Weiterhin löste die Kampagne im Internet einen Proteststurm aus. Auf der Facebook-Fanpage empörten sich zahlreiche Menschen über die Geschmacklosigkeit, wie mit einem mutmaßlichen Justizopfer in dieser herabwürdigen Form Werbung gemacht werden kann. Zwar entschuldigt sich Erich Sixt in einem persönlichen Brief bei Gustl Mollath für diesen Vorfall, trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack.

Wie lautet ein Grundsatz der PR-Branche? „Every publicity is good publicity!“ Trotz der sicherlich und hoffentlich auch ernst gemeinten Entschuldigung des Firmengründers persönlich, hat es das Unternehmen mal wieder geschafft, eine breite Medienaufmerksamkeit zu erzielen. Auch zeigt die Erfahrung, dass Shitstorms in sozialen Kanälen oftmals wieder abflauen. Die verantwortlichen Werber von SIXT sollten lieber zu den alten Tugenden zurückkehren. Satire, Witz, Wortspiele und eine gewisse Prise provokanter Bissigkeit zeichneten SIXT-Werbekampagnen aus. Geschmacklose Herabwürdigung auf Kosten Dritter, die durch ihr Schicksal schon genug gestraft sind, gehören in keine Werbekampagne!

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